PDF-
Barrierefreiheit
verständlich erklärt.

Was sie ist, warum sie wichtig ist und wie man es richtig macht — klar und verständlich für alle.

Was ist PDF-Barrierefreiheit?

Ein PDF ist barrierefrei, wenn es von allen Menschen vollständig gelesen, verstanden und navigiert werden kann — einschließlich Menschen, die Screenreader verwenden, Menschen mit Seheinschränkungen, motorischen Behinderungen oder kognitiven Einschränkungen.

Stellen Sie sich ein Gebäude vor: Ein Gebäude ohne Rampe ist für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich. Eines mit Rampe ist für alle nutzbar — nicht nur für die, die laufen können.

Ein barrierefreies PDF funktioniert genauso. Für die meisten Menschen sieht es aus wie jedes andere PDF. Darunter liegt jedoch eine sorgfältig aufgebaute Struktur, die es assistiven Technologien — wie Screenreadern — ermöglicht, das Dokument sinnvoll vorzulesen.

„Barrierefreiheit betrifft keine kleine Minderheit. Sie betrifft alle — einschließlich Ihrer zukünftigen selbst."
1,3 Mrd.

Menschen weltweit leben mit einer Form von Behinderung

96 %

der meistbesuchten Websites scheitern an grundlegenden Barrierefreiheits-Tests

2,2 Mrd.

Menschen haben irgendeine Form von Sehbeeinträchtigung

💡 Wussten Sie schon?

Die meisten PDFs, die aus Word, InDesign oder Canva exportiert werden, sind standardmäßig nicht barrierefrei. Barrierefreiheit erfordert bewusstes Handeln während der Erstellung — sie entsteht nicht von allein.

Wer profitiert von barrierefreien PDFs?

Das Wort „Behinderung" lässt manche Menschen denken, es handele sich um ein Randthema. Das ist es nicht. Barrierefreies Design kommt einem weitaus größeren Personenkreis zugute, als die meisten vermuten.

Blinde Menschen

Nutzen Screenreader, die jedes Element vorlesen. Ein schlecht ausgezeichnetes PDF ist für sie ein unverständliches Durcheinander von Textfragmenten.

Seheingeschränkte Personen

Zoomen oft auf 200–400 %. Sie benötigen korrekten Textumfluss und skalierbare Schrift, damit das Dokument bei großer Darstellung nicht auseinanderfällt.

Motorisch eingeschränkte Personen

Navigieren ausschließlich per Tastatur oder mit Hilfsmitteln. Sie benötigen eine logische Tab-Reihenfolge und zugängliche Formulare.

Kognitive Einschränkungen

Klare Struktur, verständliche Sprache und eine logische Lesereihenfolge helfen Menschen mit Legasthenie, ADHS oder kognitiven Beeinträchtigungen.

Ältere Menschen

Altersbedingte Seh- und Hörveränderungen betreffen über 40 % der Menschen ab 60. Barrierefreies Design kommt auch ihnen zugute.

Mobile Nutzende

Gut strukturierte, umfließende PDFs funktionieren auf kleinen Bildschirmen deutlich besser. Barrierefreiheit hilft allen auf jedem Gerät.

💡 Praxistipp Denken Sie an den „Bordsteinabsenkungseffekt": Rampen wurden für Rollstuhlfahrer gebaut, helfen aber auch Eltern mit Kinderwagen, Lieferdiensten, Radfahrenden und allen anderen. Barrierefreiheit ist gutes Design für alle.

Warum es gesetzlich vorgeschrieben ist

PDF-Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have. In vielen Ländern ist sie eine gesetzliche Pflicht — insbesondere für öffentliche Einrichtungen, Unternehmen ab einer bestimmten Größe und jeden, der Dienstleistungen für die Öffentlichkeit erbringt.

Fehlende Barrierefreiheit kann zu Bußgeldern, Klagen, dem Verlust öffentlicher Aufträge und erheblichem Reputationsschaden führen. Der rechtliche Trend ist eindeutig: Die Anforderungen werden strenger, nicht lockerer.

European Accessibility Act EN 301 549 ADA (USA) AODA (Kanada) WCAG 2.1 AA PDF/UA ISO 14289

Der European Accessibility Act (EAA)

Ab dem 28. Juni 2025 gilt der European Accessibility Act für eine Vielzahl von privatwirtschaftlichen Unternehmen, die in der EU tätig sind. Erfasst sind auch digitale Dokumente — einschließlich PDFs — die an Kunden oder die Öffentlichkeit weitergegeben werden. Das ist ein bedeutender Wandel: Bisher galten diese Regeln hauptsächlich für den öffentlichen Sektor.

EN 301 549

Die europäische Norm EN 301 549 definiert die technischen Anforderungen für barrierefreie IKT-Produkte und -Dienste in Europa. Sie verweist auf WCAG 2.1 und PDF/UA als die maßgeblichen Standards für Dokumente. Öffentliche Beschaffung in der EU muss diese Norm in der Regel einhalten.

In den USA: ADA & Section 508

Der Americans with Disabilities Act (ADA) wurde durch zahlreiche Gerichtsurteile auf digitale Dokumente ausgeweitet. Section 508 des Rehabilitation Act verpflichtet Bundesbehörden und deren Auftragnehmer, IKT-Produkte — einschließlich PDFs — barrierefrei zu gestalten. Gerichte haben wiederholt geurteilt, dass nicht barrierefreie PDFs gegen den ADA verstoßen.

💡 Wussten Sie schon?

Die Zahl der Klagen wegen fehlender Barrierefreiheit in den USA ist in den letzten fünf Jahren um über 300 % gestiegen. Viele richten sich gegen Unternehmensdokumente — darunter PDFs —, nicht nur gegen Websites.

Wie barrierefreie PDFs tatsächlich funktionieren

Ein hilfreicher Gedankenrahmen: Stellen Sie sich jedes PDF als zwei Ebenen vor.

Die visuelle Ebene ist das, was Sie auf dem Bildschirm sehen. Typografie, Bilder, Spalten, Farben — alles, was ein Dokument gut aussehen lässt.

Die logische Ebene ist unsichtbar. Sie enthält Anweisungen im Hintergrund, die Software mitteilen: „Dieser Text ist eine Überschrift. Dieses Bild zeigt ein Balkendiagramm. Diese Tabelle hat eine Kopfzeile. Lies diesen Absatz vor jenem."

Screenreader und andere assistive Technologien ignorieren die visuelle Ebene vollständig. Sie verlassen sich ausschließlich auf die logische Ebene, um das Dokument zu verstehen. Fehlt die logische Ebene, ist sie fehlerhaft oder unvollständig, bekommt der Nutzer Unverständliches präsentiert.

🔑 Das Wichtigste in Kürze Ein visuell ansprechendes PDF kann vollständig unzugänglich sein. Und ein barrierefreies PDF sieht für die meisten Nutzenden genauso aus wie jedes andere. Barrierefreiheit ist unsichtbare Infrastruktur.

Die vier Säulen barrierefreier PDFs

Tags (Struktur)

PDF-Tags definieren, was jedes Element ist: Überschrift, Absatz, Liste, Tabelle, Abbildung. Ohne Tags ist das Dokument für assistive Technologien ein flaches, unstrukturiertes Textbild.

Lesereihenfolge

Die Reihenfolge, in der Inhalte vorgelesen werden, muss der logisch beabsichtigten Reihenfolge entsprechen — nicht dem visuellen Layout. Mehrspaltige Layouts und komplexe Designs versagen dabei häufig automatisch.

Alternativtexte für Bilder

Jedes inhaltlich relevante Bild muss eine Textbeschreibung (Alt-Text) erhalten. Rein dekorative Bilder müssen explizit als solche markiert werden, damit Screenreader sie überspringen.

Metadaten und Dokumenteigenschaften

Titel, Sprache und weitere Metadaten helfen Screenreadern zu erkennen, in welchem Dokument sie sich befinden, und es in der richtigen Sprache mit korrekter Aussprache vorzulesen.

Tags: das unsichtbare Gerüst Ihres PDFs

Tags sind das wichtigste Barrierefreiheitsmerkmal eines PDFs. Es sind verborgene Codes, die jedem Element im Dokument zugeordnet werden und beschreiben, was dieses Element ist — nicht wie es aussieht, sondern welche Rolle es spielt.

Stellen Sie sich Tags wie HTML-Elemente auf einer Website vor: <h1> für eine Hauptüberschrift, <p> für einen Absatz, <ul> für eine Aufzählung. PDF-Tags funktionieren auf die gleiche Weise.

Wichtige PDF-Tags, die Sie kennen sollten

Tag Bedeutung Warum es wichtig ist
<H1>–<H6> Überschriften Screenreader-Nutzende navigieren per Überschriften durch das Dokument — wie in einem Inhaltsverzeichnis
<P> Absatz Normaler Fließtext. Ohne diesen Tag können Textblöcke als eine einzelne Zeile gelesen oder ganz ignoriert werden
<L> <LI> Liste / Listenelement Screenreader kündigen „Liste mit 5 Elementen" an — das gibt Kontext, bevor jedes Element gelesen wird
<Table> <TR> <TH> <TD> Tabellen Ohne Tabellen-Tags werden tabellarische Daten als wirre Folge zusammenhangloser Zellen vorgelesen
<Figure> Bild / Grafik Markiert, wo Bilder stehen, damit Alt-Texte ihnen zugeordnet werden können
<Artifact> Dekorativer Inhalt Weist Screenreader an, dieses Element zu überspringen — für Seitenzahlen, dekorative Linien usw.
<Link> Hyperlink Macht Links erkennbar und per Tastatur bedienbar
🔑 Das Wichtigste in Kürze Tags müssen korrekt sein, nicht nur vorhanden. Eine Überschrift, die als Absatz getaggt ist, bleibt unzugänglich — der Text mag visuell groß und fett wirken, ein Screenreader erkennt ihn jedoch nicht als Navigationspunkt.

Bilder und Alt-Texte

Jedes Bild in einem PDF gehört zu einer von zwei Kategorien: inhaltlich bedeutsam oder dekorativ. Die Behandlung ist für jede Kategorie grundlegend verschieden.

Bedeutsame Bilder

Diese Bilder vermitteln Informationen, die nirgendwo sonst im Text verfügbar sind. Ein Diagramm, ein Produktfoto, eine Prozessgrafik, eine Unterschrift — das sind bedeutsame Bilder. Sie benötigen einen Alternativtext (Alt-Text): eine schriftliche Beschreibung, die dieselben Informationen vermittelt wie das Bild auf visueller Ebene.

✦ Gute Alt-Texte schreiben Schreiben Sie nicht „Bild eines Diagramms." Beschreiben Sie, was das Diagramm zeigt: „Balkendiagramm mit einem Anstieg der Verkaufszahlen um 40 % von Q1 bis Q4 2023." Das Ziel ist, die Aussage zu vermitteln — nicht die bloße Existenz des Bildes zu benennen.

Dekorative Bilder

Das sind visuelle Elemente ohne Informationsgehalt — ornamentale Linien, Hintergrundformen, rein ästhetische Illustrationen. Diese sollten in der PDF-Tag-Struktur als Artifact markiert werden, was Screenreadern anweist, sie vollständig zu überspringen. So wird das Leseerlebnis nicht mit bedeutungslosen Beschreibungen überfrachtet.

💡 Wussten Sie schon?

Diagramme und Infografiken sind die am häufigsten unzugänglichen Bilder in PDFs. Ein komplexes Diagramm ohne Alt-Text ist für Screenreader-Nutzende vollständig unsichtbar. Jeder Datenpunkt, jeder Trend und jede zentrale Aussage muss in Text beschrieben werden — entweder als Alt-Text oder als Bildunterschrift.

Komplexe Bilder: weitergehen

Bei komplexen Diagrammen, Infografiken oder Schaubildern reicht ein Alt-Text allein möglicherweise nicht aus. Erwägen Sie:

  • Eine vollständige Textbeschreibung der Diagrammdaten im Dokumentkörper
  • Eine Datentabelle unterhalb des Diagramms mit den tatsächlichen Werten
  • Eine „Langbeschreibung", die von der Abbildung aus verlinkt wird (in PDF/UA unterstützt)

Lesereihenfolge: das verborgene Problem in den meisten PDFs

Das überrascht die meisten Menschen. Ein PDF kann auf dem Bildschirm vollkommen logisch wirken — Spalten fließen natürlich von links nach rechts, Bildunterschriften stehen unter den Bildern, Überschriften vor dem Fließtext. Doch die tatsächliche Lesereihenfolge in der Dateistruktur kann völlig anders sein.

Screenreader folgen der in der Dateistruktur definierten Lesereihenfolge — nicht dem visuellen Layout. Ein zweispaltiges PDF könnte zuerst die gesamte erste Spalte lesen, dann die zweite — oder wahllos zwischen beiden hin- und herspringen. Eine Bildunterschrift kann vor dem zugehörigen Bild vorgelesen werden. Eine Randspalte kann mitten in einen Satz einbrechen.

Warum passiert das?

Die meisten Designprogramme platzieren Elemente auf der Seite in der Reihenfolge, in der sie erstellt wurden — nicht in der Reihenfolge, in der sie gelesen werden sollten. Ein Grafikdesigner, der ein Zitat nachträglich einfügt, platziert es nach dem Haupttext in der Dateistruktur, auch wenn es visuell mitten im Absatz erscheint.

Wie man es behebt

Die Lesereihenfolge muss bei komplexen Layouts manuell festgelegt werden. In Adobe Acrobat Pro können Sie das Lesereihenfolge-Tool oder das Tags-Panel nutzen, um Elemente neu anzuordnen. In InDesign steuern Sie die Lesereihenfolge vor dem Export über das Artikel-Panel.

🔑 Das Wichtigste in Kürze Die Grundregel: Die Lesereihenfolge in der Datei muss der logisch beabsichtigten Lesereihenfolge des Dokuments entsprechen — unabhängig von der visuellen Anordnung auf der Seite.

WCAG: das globale Regelwerk für Barrierefreiheit

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind der international anerkannte Regelkatalog für digitale Barrierefreiheit. Obwohl ursprünglich für Websites geschrieben, gelten sie auch für PDF-Dokumente — und werden in fast jedem nationalen Barrierefreiheitsgesetz weltweit referenziert.

WCAG basiert auf vier Prinzipien, die häufig unter dem Akronym POUR zusammengefasst werden:

Wahrnehmbar (Perceivable)

Informationen müssen so dargestellt werden, dass Nutzende sie wahrnehmen können — auch auf nicht-visuellem Weg.

Bedienbar (Operable)

Alle Funktionen müssen bedienbar sein — zum Beispiel per Tastatur, nicht nur per Maus.

Verständlich (Understandable)

Inhalte und Bedienung müssen verständlich sein — klare Sprache, vorhersehbare Struktur.

Robust (Robust)

Inhalte müssen von einer Vielzahl assistiver Technologien zuverlässig interpretiert werden können — heute und in Zukunft.

Die drei Konformitätsstufen

WCAG-Kriterien sind in drei Stufen unterteilt. Stufe AA ist die Anforderung der meisten gesetzlichen Regelungen.

Stufe Bedeutung Beispiel für PDFs
A Minimum. Muss eingehalten werden. Ohne diese Stufe können manche Nutzende gar nicht auf den Inhalt zugreifen. Alle Bilder haben Alt-Text; Dokument hat einen Titel; Sprache ist festgelegt
AA Standard. Von den meisten Gesetzen gefordert. Beseitigt erhebliche Barrieren. Farbkontrastverhältnis mindestens 4,5:1; Text kann auf 200 % vergrößert werden ohne Inhaltsverlust
AAA Erweitert. Nicht immer für alle Inhalte umsetzbar. Geht über das Minimum hinaus. Kontrastverhältnis mindestens 7:1; Gebärdensprachdolmetschen angeboten

Farbkontrast: das häufigste Versagen

Text muss ausreichend Kontrast zum Hintergrund aufweisen. Das ist eines der am häufigsten nicht eingehaltenen Kriterien — und eines der einfachsten zu prüfen.

Hellgrau auf Grau — schwer lesbar

✗ Besteht AA nicht (Verhältnis: ~1,6:1)

Weiß auf Dunkel — gut lesbar

✓ Besteht AAA (Verhältnis: 15,5:1)

💡 Wussten Sie schon?

WCAG 3.0 ist derzeit in Entwicklung und wird ein neues Kontrastmodell namens APCA (Advanced Perceptual Contrast Algorithm) einführen, das der menschlichen Kontrastwahrnehmung besser Rechnung trägt als die aktuelle Formel.

Testing-Tools — wie Sie Ihre PDFs prüfen

Visuelle Prüfungen reichen nicht aus, um PDF-Barrierefreiheit zu gewährleisten. Dafür brauchen Sie spezielle Tools, die die zugrundeliegende Struktur untersuchen und Probleme automatisch melden.

Automatisierte Prüftools

  • Adobe Acrobat Accessibility-Checker In Acrobat Pro integriert (eingeschränkt auch im kostenlosen Acrobat Reader verfügbar). Führt automatisierte Prüfungen gegen PDF/UA- und WCAG-Kriterien durch. Ein guter erster Schritt — aber nicht erschöpfend. Adobe Accessibility Guide ↗
  • PAC 2024 (PDF Accessibility Checker) Kostenloses Tool für Windows. Einer der gründlichsten automatisierten PDF-Accessibility-Checker. Prüft gegen PDF/UA und WCAG. Sehr empfehlenswert für alle, die professionell barrierefreie PDFs erstellen. PAC 2024 herunterladen ↗
  • axe DevTools für PDFs Professionelle Accessibility-Testing-Plattform mit PDF-Unterstützung. Weit verbreitet in Unternehmen und bei Barrierefreiheitsberatern. axe DevTools ↗
  • CommonLook PDF Enterprise-Lösung für PDF-Barrierefreiheitsprüfung und -Aufbereitung. Weit verbreitet in Behörden und Großunternehmen. CommonLook ↗

Screenreader für manuelle Tests

  • NVDA — NonVisual Desktop Access Kostenloser, quelloffener Screenreader für Windows. Der weltweit meistgenutzte Screenreader. Unverzichtbar, um zu testen, wie Ihre PDFs für Nutzende klingen. NVDA herunterladen ↗
  • VoiceOver (Apple) In macOS, iOS und iPadOS integriert. Keine Installation erforderlich. Auf dem Mac mit Cmd+F5 aktivieren. Ideal zum Testen von PDFs auf Apple-Geräten. VoiceOver-Leitfaden ↗
  • Narrator (Windows) In Windows integriert. Weniger umfangreich als NVDA oder JAWS, aber für eine schnelle Überprüfung ohne Installation geeignet. Narrator-Leitfaden ↗
⚠️ Wichtig Automatisierte Tools erkennen nur etwa 30–40 % der Barrierefreiheitsprobleme. Manuelle Tests mit einem echten Screenreader sind unerlässlich, um die Probleme zu finden, die automatische Tools übersehen. Verlassen Sie sich nie ausschließlich auf automatisierte Prüfungen.

Die Barrierefreiheits-Checkliste — vor der Veröffentlichung

Nutzen Sie diese Checkliste, bevor Sie ein PDF weitergeben. Sie umfasst die wichtigsten Anforderungen. Ein Dokument, das alle Punkte erfüllt, ist auf einem sehr guten Weg zur echten Barrierefreiheit.

  • Das Dokument hat einen beschreibenden Titel, der in den Dokumenteigenschaften festgelegt ist (nicht nur der Dateiname).
  • Die Dokumentsprache ist in den Dokumenteigenschaften festgelegt. So stellt der Screenreader sicher, dass die richtige Stimme und Aussprache verwendet wird.
  • Das PDF ist getaggt. Alle Inhaltselemente — Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen — haben korrekte semantische Tags.
  • Die Überschriftenhierarchie ist logisch und korrekt verschachtelt. H1 → H2 → H3, nie von H1 direkt zu H4.
  • Die Lesereihenfolge ist logisch und entspricht der beabsichtigten Lesefolge — insbesondere in mehrspaltigen Layouts.
  • Alle bedeutsamen Bilder haben einen Alt-Text. Dekorative Bilder sind als Artifacts markiert.
  • Tabellen haben Kopfzeilen, die mit <TH> getaggt sind und werden nicht für Layoutzwecke verwendet.
  • Der Farbkontrast erfüllt WCAG AA: mindestens 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text (ab 18 pt oder 14 pt fett).
  • Farbe ist nicht das einzige Mittel zur Informationsvermittlung. Symbole, Beschriftungen oder Muster ergänzen Farbhinweise.
  • Alle Links haben einen beschreibenden Linktext. Nicht „Hier klicken" — sondern „Geschäftsbericht 2024 herunterladen (PDF)".
  • Formulare sind barrierefrei. Alle Felder haben Beschriftungen, eine korrekte Tab-Reihenfolge und Fehlermeldungen, die nicht nur auf Farbe basieren.
  • Das PDF besteht PAC 2024 oder Adobe Preflight ohne kritische Fehler.
  • Manueller Screenreader-Test abgeschlossen. Das Dokument wurde in NVDA oder VoiceOver durchgehend gehört und war verständlich.
💡 Wussten Sie schon?

Der PDF/UA-Standard erfordert eine Konformitätserklärung in den Dokumentmetadaten. Ohne diese Erklärung kann ein PDF nicht als PDF/UA-konform gelten — selbst wenn es alle technischen Prüfungen besteht. Fügen Sie das XMP-Metadaten-Flag in Acrobat oder beim Export aus InDesign hinzu.

Weiterführende Ressourcen und Links

PDF-Barrierefreiheit ist ein tiefes Feld mit einer aktiven Community. Hier sind die wichtigsten Ressourcen zum Merken — alle kostenlos, alle verlässlich.

Offizielle Standards und Richtlinien

  • WCAG 2.2 — W3C Die vollständige WCAG 2.2 Spezifikation. Der maßgebliche globale Standard für digitale Barrierefreiheit. Technisch anspruchsvoll, aber die begleitenden „Understanding"-Dokumente machen ihn zugänglicher. WCAG 2.2 ↗
  • PDF/UA-Übersicht — PDF Association Die PDF Association ist die maßgebliche Instanz für PDF-Standards. Ihre Ressourcen zu PDF/UA sind die zuverlässigsten und praxisnächsten, die es gibt. pdfa.org/pdf-ua ↗
  • Section 508 PDF-Ressourcen — GSA Die US General Services Administration veröffentlicht detaillierte Leitfäden zur barrierefreien PDF-Erstellung nach Section 508. Praktisch und klar verständlich. section508.gov ↗

Praktische Leitfäden

  • WebAIM — Web Accessibility In Mind Der beste praxisorientierte, verständlich geschriebene Leitfaden zur Web- und Dokumentbarrierefreiheit im Netz. Ihr PDF-Barrierefreiheits-Leitfaden ist Pflichtlektüre. WebAIM PDF-Leitfaden ↗
  • Adobe Accessibility-Ressourcenzentrum Adobes eigene Dokumentation zur Erstellung und Prüfung barrierefreier PDFs in Acrobat und InDesign. Aktuell und umfassend. Adobe Accessibility ↗
  • WebAIM Million — Jährlicher Barrierefreiheitsbericht Jährliche Analyse der Top-1-Million-Websites und -Dokumente auf Barrierefreiheitsmängel. Ernüchternde und wichtige Daten zur Lage der digitalen Barrierefreiheit. WebAIM Million ↗
  • EU-Richtlinie zur Web-Barrierefreiheit Der vollständige Text und Leitfäden zur Richtlinie (EU) 2016/2102 — der öffentlichen Barrierefreiheitsrichtlinie. Enthält Überwachungsanforderungen und Beschwerdemechanismen. EU Digital Strategy ↗

Tools

  • PAC 2024 — PDF Accessibility Checker Kostenlos. Windows. Der Goldstandard unter den automatisierten PDF-Accessibility-Checkern. Prüft gegen PDF/UA und WCAG. Vor jeder Veröffentlichung verwenden. pac.pdf-accessibility.org ↗
  • WebAIM Contrast Checker Kostenloses Online-Tool. Geben Sie zwei Farben ein und sehen Sie sofort, ob sie die WCAG-AA- oder AAA-Kontrastanforderungen erfüllen. Lesezeichen setzen. Contrast Checker ↗

Glossar — die Begriffe, die immer wieder auftauchen

PDF-Barrierefreiheit hat ihr eigenes Vokabular. Hier finden Sie alle wichtigen Begriffe in verständlicher Sprache, an einem Ort.

Barrierefreiheit
Das Gestaltungsprinzip, nach dem Produkte, Dienstleistungen und Dokumente für alle nutzbar sein sollen — unabhängig von Fähigkeiten, Behinderungen oder der verwendeten Technologie.
Alt-Text (Alternativtext)
Eine schriftliche Beschreibung eines Bildes, die in der Datei eingebettet ist. Wird von Screenreadern vorgelesen. Beschreibt, was das Bild kommuniziert — nicht nur, wie es aussieht.
Artifact
Ein PDF-Tag, der ein Element als rein dekorativ kennzeichnet. Screenreader überspringen Artifacts vollständig — es wird keine Beschreibung vorgelesen.
Assistive Technologie (AT)
Jede Hard- oder Software, die Menschen mit Behinderungen hilft, mit Technik zu interagieren. Dazu zählen Screenreader, Braille-Displays, Schaltersteuerungen, Sprachsteuerung und mehr.
Farbkontrastverhältnis
Eine Zahl, die ausdrückt, wie unterschiedlich zwei Farben in Bezug auf ihre Helligkeit sind. WCAG AA fordert mindestens 4,5:1 für Fließtext. Je höher das Verhältnis, desto leichter lesbar ist der Text.
EN 301 549
Die europäische Norm für IKT-Barrierefreiheit. Verweist auf WCAG 2.1 und PDF/UA. Pflicht bei öffentlicher Beschaffung in der EU.
Überschriftenhierarchie
Die logische Verschachtelung von Überschriften: H1 für den Dokumenttitel, H2 für Hauptabschnitte, H3 für Unterabschnitte usw. Screenreader-Nutzende navigieren in Dokumenten per Überschriftensprüngen.
Matterhorn-Protokoll
Eine Liste mit 136 Fehlerszenarien für PDF/UA. Die maßgebliche technische Referenz, die von Testing-Tools wie PAC 2024 zur Bewertung der PDF-Barrierefreiheitskonformität herangezogen wird.
PAC 2024
PDF Accessibility Checker — ein kostenloses Windows-Tool, das PDFs gegen PDF/UA- und WCAG-Kriterien prüft. Einer der gründlichsten automatisierten Checker, die es gibt.
PDF/UA (ISO 14289)
Der internationale Standard für universell zugängliche PDF-Dateien. Definiert die technischen Anforderungen, die ein PDF erfüllen muss, um als vollständig barrierefrei zu gelten.
POUR
Die vier Prinzipien der WCAG: Perceivable (wahrnehmbar), Operable (bedienbar), Understandable (verständlich), Robust (robust). Jedes WCAG-Kriterium ist einem dieser vier Prinzipien zugeordnet.
Lesereihenfolge
Die Reihenfolge, in der ein Screenreader auf Inhalte in einem PDF trifft. Muss der beabsichtigten logischen Lesefolge entsprechen — unabhängig vom visuellen Layout auf der Seite.
Remediation
Der Prozess der nachträglichen Aufbereitung eines nicht barrierefreien PDFs nach Barrierefreiheitsstandards. Umfasst häufig das Hinzufügen von Tags, die Korrektur der Lesereihenfolge und das Verfassen von Alt-Texten.
Screenreader
Software, die Text und Dokumentstruktur in Sprache oder Braille-Ausgabe umwandelt. Bekannte Beispiele: NVDA, JAWS (Windows), VoiceOver (Apple). Wird von blinden Menschen, Menschen mit Seheinschränkungen oder Leseschwächen genutzt.
Tags (PDF-Tags)
Verborgene Strukturmarkierungen, die jedem Element in einem barrierefreien PDF zugeordnet werden. Sie definieren, was jedes Element ist: Überschrift, Absatz, Liste, Tabelle, Bild, Link und mehr.
WCAG
Web Content Accessibility Guidelines — der globale Standard für digitale Barrierefreiheit, veröffentlicht vom W3C. In nahezu jedem nationalen Barrierefreiheitsgesetz weltweit referenziert. Die aktuelle Version ist WCAG 2.2.
XMP-Metadaten
Extensible Metadata Platform — ein Standard zur Einbettung von Metadaten in Dateien. In PDFs verwendet, um Dokumenttitel, Sprache, Autor und Barrierefreiheits-Konformitätserklärungen wie PDF/UA zu speichern.

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